Blood Nation Skate Crew Lomé – Skaten ist Freiheit und Vision in dem kleinen Westafrikanischen Land

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Wo ist Togo und Lomé?

Zwischen Ghana im Westen und Benin im Osten reicht Togo von der Atlantikküste im Süden bis hinauf nach Burkina Faso. Ein dünner langer Streifen mit einer Gesamtfläche und Einwohnerzahl vergleichbar mit Österreich. Die Hauptstadt Lomé ist die einzige „echte“ Stadt mit 1,8 Mio Einwohnern, Sitz der Regierung und allem Nennenswerten was sich an Business und wirtschaftlicher Entwicklung in diesem sonst sehr armen Land tut. Lomé beeindruckt durch moderne Gebäude, Banken, Supermärkte, Geschäfte und Restaurants, einen Flughafen und einen Container Frachthafen. Aber auch hier sind noch die meisten Seitenstraßen nicht befestigt, ein Abwassersystem sucht man vergebens und Strom ist knapp und teuer. Wie in vielen Städten ziehen alle Leute mit Geld hinaus in die Vororte, die Menschen und vor allem die Jugend in der Stadt bleibt bei den großen Verbesserungen außen vor. Lomé “ la belle“ Trotz allem, für die Millionen jungen Leute im sehr armen Land ist Lomé DER Ort der Träume und das ganz große Ziel. Wer aber keine Familie mit Einkommen als Sicherheit hat, und das betrifft viele, der muss täglich kämpfen. 1-2 Euro, genug zum Essen, Trinken oder mal was extra. Die Jobs sind rar und die Ausbildung meistens mit der Schule beendet.

 

Wie passt Skateboarden da hin?

Auf den ersten Blick eigentlich gar nicht. Die Gesellschaft ist konservativ, Sport und Fitness haben einen hohen Stellenwert, aber besser in klassischen Formaten wie Jogging, und Fußball. Das Befahren von öffentlichen Plätzen oder Straßen ist möglich aber man zieht unweigerlich Ärger mit den Sicherheitskräften an. Der Weg für einen jungen Menschen sollte weg von der Straße sein und nicht ein Verharren oder gar Zelebrieren der Straße. Dabei ist die urbane Kultur auch in Westafrika schon längst sehr ausgeprägt. Klamotten, Styles, Musik, Tanz und eben auch Skateboard als verbindendes Element sind bei der Jugend von Schulalter bis zu den Ü30ern wichtige Ausdrucksformen geworden. Hier entsteht Gemeinschaft, Lebensfreude und damit die Kraft und Motivation für Mehr.

Blood Nation Skateboard Crew Togo

Und da sind dann Ampah, Diesel, Blackie, Tyga, Escobar der Blood Nation Skateboard Crew! Denn irgendwann ist auch das Skateboarden aus dem modernen Nachbarland Ghana und über das Internet nach Lomé durchgesickert und auf eine begeisterte Truppe getroffen….und das nicht in den 1980ern sondern vor weniger als 5 Jahren. Aber wie anfangen wenn es kein Material gibt? Die Jungs haben sich auf den Weg in die großen Altwaren- und Second Hand Märkte der Stadt aufgemacht. Hier stattet sich fast jeder Togoer aus. Neuware ist Luxus. Neben all den Klamotten aus Europa und USA findet sich dort auch entsorgtes Sportgerät der letzten drei Jahrzehnte. Darunter dann eben auch ein abgerocktes Complete das man sich irgendwie leisten konnte. Weitere folgten in den Jahren darauf.
Und so zogen sie, wann immer es ging an die Orte die ihnen zugänglich waren. Das große leere Pool im verfallenden Hotel Tropicana aus den 1970ern oder das ebenfalls stillgelegte Hotel de la paix gaben tolle spots ab. Wie bei uns auch fing es bei der Blood Nation mit Wheelies und Ollies an, schnell ist ein kleines Rail gebaut und jeder darf mal mit den wenigen Brettern probieren und den persönlichen Fortschritt mit allen zelebrieren. Wenn Ampah heute ganz nebenbei über ein Kinderfahrrad ollied oder einen Treflip bei maximaler Geschwindigkeit macht, dann vergisst man fast, dass er für Jahre außer auf Youtube nie jemanden hatte der etwas vormacht. Die Crew wuchs und war im besten Skater Spirit auch offen für Skater von außen. Und so kam es, dass über Philipp, einen Berliner Skater der Kontakt zum Team von HAVOC und Skateshop24 hergestellt wurde. Die haben nicht lange gefackelt und zusammen mit Philipp Materiallieferungen zusammengestellt. Ein paar Blanks, Rollen damit auch genug Bretter vorhanden sind, dass im Wechsel jeder fahren kann. Gerade gestern sind wieder 5 Thrill Boards aus dem Hause HAVOC nach Togo gegangen. Die Crew steht schon Kopf vor Aufregung.

 

 

Flatground ist OK aber ein kleiner aber feiner Skatepark ist die nächste große Vision.

Die Devise ist jetzt klar. Nach Jahren von Flatground und ein paar Stufen hier und da, braucht diese waschsende und hochmotivierte Szene unbedingt einen Ort an dem sie nicht nur geduldet ist, sondern wo sie sein und sich weiterentwickeln dürfen in jeder Hinsicht und ohne Einschränkungen. Sogar die Verantwortlichen im Sportministerium konnten dafür begeistert werden. So viel sei schon gesagt. Der Vertrag für den perfekten Spot ist schon gemacht. Das Design haben die Blood Nation geprägt, die finale Version wird in Kürze mit Hilfe eines Profis definiert. Hier macht nur gerade Corona einen Strich durch die zeitliche Rechnung. Sogar schon einen ersten und lokalen Sponsor konnte gewonnen werden. Es braucht aber noch mehr Mittel um diesen für Togo und seine Jugend einzigartigen Raum zu schaffen. Alle sind mit Eifer dran und ihr werdet hier immer auf dem letzten Stand gehalten. Die Crew ist für alle (!) Ideen offen wie man noch mehr Sponsoren begeistern kann sich für diesen Skatepark zu engagieren.

 

Autor: Philipp Preysing
Bilder: Hugo Van Tilborg

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